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Hemingways Katzen Teil zwei

 "Unsere Katzen heißen eben nicht nur besonders, sie sind auch etwa Besonderes", lächelt Greg, einer der Führer, die die Besucher aus aller Welt durch das Museum begleiten.....

 

 Getreu an seinen Fersen klebt Audrey Hepburn, ein hübsche dreifarbige Katze - "obwohl die doch meine Geschichten schon alle auswendig kennt", scherzt Greg, der immer mit Katzenleckerchen ausgerüstet ist.

Hier, in der Whiteheadstreet, in einem Haus im spanischen Kolonialstil, hat der Schriftsteller und passionierte Jäger Hemingway von 1931 bis 1940 mit seiner zweiten Frau Pauline einige Jahre gelebt. Und hier dürfen nur die Katzen, was sonst streng verboten ist: Auf den historischen Möbeln aus dem 18. Jahrhundert herumtollen. Oder aus der ebenfalls geschichtsträchtigen Katzentränke im Garten trinken, die eigentlich in der Herrentoilette in Sloppy Joe's Bar hing. Hemingway nahm sie nach einer Renovierung einfach mit und stellte sie im eigenen Garten auf. Zum Missvergnügen seiner Frau Pauline, die das "Ding" mit Verzierungen zu tarnen versuchte.

Bei Sloppy Joe's soll Hemingway, so erzählt es jedenfalls Greg, von einem Kapitän auch jener Kater Snowshoe geschenkt worden sein. Der wurde zum Stammvater jener Dynastie, die es sich heute noch im Garten des Hauses und den Nachbaranwesen gut gehen lässt. Die Verwandtschaft ist unübersehbar, denn Snowshoe hatte eine Anomalie, die viele seiner Nachkommen noch heute aufweisen: Polydaktylie.

Zeig mir Deine Zehen und ich sage Dir, wer Dein Opa war

Ivan zum Beispiel, der cremefarbene Kater, hat sie ebenso, wie Simone de Beauvoir: die sechste Zehe an den Vorderpfoten. Das lässt die Tiere fast aussehen, als ob sie einen Boxhandschuh tragen würden. Es behindert sie aber nicht und verursacht keine Schmerzen. In Europa kommt die Polydaktylie kaum vor. Dafür aber in den USA gehäuft in manchen Regionen und dann vor allem bei Maine Coons.
Wieso das so ist, lässt sich nur vermuten: wahrscheinlich wurde diese Auffälligkeit von Katzen vererbt, die auf Handelsschiffen lebten und an der Ostküste Amerikas an Land gingen. Nicht bei allen Hemingway-Katzen tritt diese Anomalie auf - vermutlich auch dank der Beteiligung der Nachbarkatzen am Bestand. "Wir kastrieren ja auch einen großen Teil der Tiere, damit es nicht zu viele werden", sagt Greg. Und natürlich werden Snowshoes Enkel und Urenkel gefüttert, tierärztlich versorgt und gepflegt.

Vor allem aber geliebt: noch über ihr irdisches Dasein hinaus. Mitten im Garten, an einem schönen schattigen Plätzchen, ist der Katzenfriedhof mit Gedenksteinen für die Ehemaligen. Marilyn Monroe und Erroll Flynn liegen hier, ebenso wie viele andere pelzige Bewohner. An sie erinnern auch Bilder im Haus.

Denn mitten zwischen den vielen Fotos von Hemingway auf Reisen oder in Siegerpositur bei Großwildsafaris hängen auch Gemälde der heimlichen vierpfotigen und sechszehigen Herrscher. Wer hier wirklich das Regiment führt, wird schnell klar: Unter einem der Fotos von "Papa" mit der Flinte über der Schulter und dem Fuß auf einem erlegten Büffel thront Sofia Loren auf einem Polstersessel - völlig ungerührt von so viel kriegerischem Gehabe. "Ich glaube, manche Besucher kommen auch eher wegen der Katzen hierher, als wegen Hemingway", lacht Greg, während ihm Audrey Hepburn gewohnt elegant um die Beine streicht.

 

 
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