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Vergesellschaftung von Seniorenkatzen

Wer alt und älter wird, hat keine Chance, oder doch? Es verlangt schon Mut, eine Seniorin zu sich zu nehmen, aber zwei?

Eine Kundin hat uns ihren Erlebnisbericht über die Zusammenführung von zwei älteren Katzendamen geschickt. Wir hoffen, dass er mehr Katzeninteressenten Mut macht, einen vielleicht nicht immer einfachen, aber sehr lohnenswerten Weg zu gehen! 

Ein Plädoyer für ältere Katzen und ein ganz persönlicher Erfahrungsbericht über eine Zusammenführung.

Zugegeben: Babykatzen sind süß. Babykatzen sind sogar sehr süß. Aber in wenigen Wochen wird aus dem Katzenbaby ein pubertierender Wildfang (meistens jedenfalls) und dann kommen ja erst mal die Flegeljahre und überhaupt: Sauberkeitserziehung, abgeräumte Regale, zerkaute Kabel und zerfetzte Tapeten? Muss nicht sein. Sorry, aber muss wirklich nicht sein.
Deshalb war für meinen Freund und mich eines klar, als wir uns für eine Katze (aus dem Tierheim) entschieden: Bloß kein zu junges Tier. Lieber ein liebes Mädchen oder einen freundlichen Kater, den keiner mehr will und der nicht jeden Tag den Schrank ausräumt und zwei Stunden täglich bespielt werden muss (schließlich sind wir beide berufstätig und arbeiten hart). Und bitte keine Verpflichtung über zwei Jahrzehnte. Schließlich wissen wir ja gar nicht, wie wir uns als frischgebackene Katzeneltern so machen.
Und dann kam unser „Mäuschen“ Hui Buh und schlug ein wie eine Bombe. Wir liebten sie über alles. Ich weiß, man soll vorsichtig mit vermenschlichenden Begriffen sein, aber ich kann es einfach nicht anders nennen: Dieses Tier war uns zutiefst dankbar und ungeheuer loyal. Und eine Charakterkatze obendrein: Ein auf 9 Jahre geschätztes Fundtier, ausgesetzt an einer Tankstelle. Im Tierheim (unkastriert) unverträglich mit Artgenossen. Unsicher und wehrhaft. Eine Katze mit schlechten Chancen. Weshalb man sie uns als berufstätiges Pärchen als Einzelkatze überhaupt vermittelte.
Was soll ich sagen? Wir wären glücklich gewesen bis ans Ende unsere Tage, wenn da nicht eine Kleinigkeit gewesen wäre, die uns zu schaffen machte. Immer, wenn wir Abends nach Hause kamen (manchmal nach 10, 11, 12 Stunden), überschlug sich Hui schier vor Freude und ließ uns den ganzen Abend nicht aus den Augen. Wir fragten uns: Dürfen wir ihr das zumuten, sie jeden Tag so lange allein zu lassen? Auch fiel uns bei ihren Stippvisiten im Hof auf, dass sie sich sehr wohl für Artgenossen interessierte. Also planten wir nach reiflicher Überlegung und mit bangem Herzen, es mit einer Zweitkatze zu versuchen.Die Wahl fiel auf Toffi-Fee, ein 14 jähriges Mischlingsmädchen aus Spanien, das auf einer Münchner Pflegestelle auf eine späte Chance wartete.
 
(Toffi nach der Ankunft)
Die ersten 24 Stunden sperrten wir Toffi im Schlafzimmer ein, um ihr Sicherheit zu bieten. Hui merkte natürlich, dass irgendetwas nicht stimmte und fauchte den fremden Geruch an, den wir ihr unterjubelten, wo wir konnten. Als sie am nächsten Tag vor dem Schlafzimmer Posten bezog, entschieden wir uns, das Geheimnis zu lüften und öffneten die Tür. Hui trat zielsicher ans Bett, unter dem Toffi auf einem Schaffell Quartier bezogen hatte, spähte darunter und fauchte und knurrte im Replaymodus. Nach beendeter Demonstration ihres Missfallens drehte sie ab und zog sich zurück.
Beim Rückzug blieb es dann auch die nächste Zeit. Hui fauchte, wenn ihr Toffi zu nahe kam, hielt aber meist Abstand und war offensichtlich unglücklich. Sie mied uns, wenn wir versuchten, sie zu trösten und mit ihr zu schmusen, wich sie uns aus oder fauchte uns sogar an, was sie bisher nie getan hatte. Toffi hingegen machte sich so unsichtbar wie möglich und suchte Schutz bei uns. Wir versuchten tapfer, ihr trotzdem nicht zuviel Beachtung zu schenken. Ich saß häufig mit Hui allein im Wintergarten, las oder redete mit ihr und versuchte immer wieder, ihr Kuschelangebote zu machen (sie ist sehr verschmust), sie mit Leckerlies zu bestechen und installierte Pheromonstecker. Mit mäßigem Erfolg.
(Toffi heute)
Irgendwann entschied Hui jedoch, dass von Toffi eigentlich keine Gefahr ausging (und dass sie etwas unternehmen musste, um sie los zu werden) und fing an sie zu attackieren. Wenn Toffi im Morgengrauen aufstand und ganz für sich allein spielte (sie ist trotz ihres hohen Alters super verspielt!), wenn Toffi aufs Klo wollte, wenn Toffi irgendetwas tat, dass ihr missfiel... Hui lauerte ihr auf, jagte sie die Treppe rauf und runter und haute nach ihr. Erst vorsichtig, dann zunehmend mutiger. Uns wurde Angst und Bang und wir holten uns Unterstützung bei einer Tierpsychologin, die uns über geraume Zeit begleitete und uns wirklich sehr weiterhalf. Und tatsächlich: Trotz aller Höhen und Tiefen, je mehr Zeit verging, desto besser kam Hui mit der neuen Situation zurecht.
 
 (Hui und Toffi traut vereint)
Die Katzen leben jetzt ein halbes Jahr zusammen und noch immer muss sich Toffi gelegentlich hüten und auch mal verteidigen. Ich weiß, wir hatten auch ein bisschen Dusel, aber wir haben nichts bereut. Ich kann nur raten, es wenigstens zu versuchen, wenn Platz für eine zweite Katze da ist (es gibt so viele liebe Tiere, die auf ein Zuhause warten). Denn trotz aller Hürden: Todfeinde waren die Beiden nie. Weder gab es je Stress beim Fressen, noch mussten wir die Katzen trennen, wenn wir tagsüber außer Haus waren. Keine der Katzen war je unsauber oder wirkte nachhaltig eingeschüchtert durch die Attacken der anderen. Und selbstverständlich gab es nie Verletzungen.
Hui hat längst ihre geliebten Rituale wieder aufgenommen und keine Berührungsängste mehr. Auf eine verschrobene Art scheinen sich die zwei alten Mädels sogar zu mögen. Sie haben viel voneinander abgekuckt (z.B. spielt Hui jetzt viel mehr!) und Abend für Abend lümmeln sie einträchtig auf Dosis Schoß, nächtigen je nach Lust und Laune gemeinsam oder getrennt auf Bett oder Sofa. Auch tagsüber scheinen sie sich selten aus dem Weg zu gehen.
Zoff gibt’s nach wie vor, vor allem, wenn Hui den Chef raushängen lässt, und ungefähr drei mal pro Woche faucht unsere kleine Spanierin Hui an, wenn sie zu arg bedrängt wird. Aber seit Hui versucht hat, Toffi zu putzen (was dieser gar nicht geheuer war), sehen wir die Zickereien der beiden deutlich entspannter.
Ach ja, und ehe ich’s vergesse: Wenn wir Abends heimkommen, werden wir freundlich von unseren zwei Mäusen begrüßt. Freundlich, aber nicht mehr...
 
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